Leseprobe: Die Zwölf Apostel

Inhalt: Die Saprobien haben mit der Offensive gegen die Menschheit begonnen und der Krieg gegen die Abart des Menschen findet an verschiedenen Orten im irdischen Sonnensystem statt. Die heftigen Gefechte stellen für die Piloten der Raumflotte die erste umfangreiche Schlacht im Weltraum dar. Während der Kämpfe werden die Nachkommen der Apokalypse vor weitere Probleme gestellt, denn das Ultimatum läuft ab und die Existenz der Menschheit droht, es ebenfalls zu tun.

2. Teil - Das Ultimatum

Einleitung

Es begann nicht heute, es begann nicht gestern, es begann als es die Zeit noch gar nicht gab…

Als die Zeit entstand wurde das Leben geboren. Die zwölf Apostel machten das sichtbare und die unsichtbaren Universen fruchtbar. Zuerst zähmten sie die Planeten, damit das Leben eine Chance zum Überleben hatte, dann befruchteten sie die Planeten mit Mikroorganismen. Das Leben begann sich zu entwickeln und passte sich den Bedingungen der Planeten an. Es entstanden unzählige intelligente und viel mehr primitive Völker, aber jede Zivilisation hatte durch die zwölf Apostel eine Daseinsberechtigung. Die Lebensformen waren und sind in ihrer äußeren und geistigen Form völlig verschieden, aber es gibt welche, die sich sehr ähnlich sind. Die intelligenten und primitiven Völker wurden und werden in ihrer Anzahl von anderen Lebewesen weit übertroffen. Die häufigste Lebensform in jedem Universum sind die Bakterien, einige sind harmlos und verfügen sogar über heilende Wirkungen, andere sind tödlich.

Den Bakterien folgen die Insekten, manche sind nützlich, viele können jedoch Krankheiten übertragen oder können zu einer Plage werden oder eine solche verursachen. Insekten können nützlich sein, aber überwiegend stellen sie ein Lebewesen dar, das anderen Lebensformen durchaus gefährlich werden kann. Den Insekten folgen Tierarten aller Art, die meisten von ihnen helfen der höher gestellten Spezies beim Überleben, aber es gibt auch Tiere, die schlimmer wüten oder grausamer sind, als es ein Mensch sein kann.

Die verschiedenen Völker haben trotz ihrer Unterschiede eines gemeinsam: Sie alle sind verletzlich und sterblich. Es existiert keine biologische Lebensform, die sich diesen Naturgesetzen entziehen kann. Es gibt viele Zivilisationen in dem sichtbaren und unsichtbaren Universen und trotz diverser Ähnlichkeiten, unabhängig welcher Art diese sind, ist jedes Volk und jedes Mitglied einer Kultur einzigartig. Eine absolut identische Lebensform existiert nicht, auch das ist ein Gesetz der Natur.

Wie die Zivilisationen waren die Planeten stets verschieden und ihre Bewohner hatten sich während ihrer Evolution den Lebensbedingungen angepasst. Es gab und gibt Rassen die Kälte bevorzugten, einige Spezies konnten nur in heißen Regionen existieren, aber am häufigsten ist das Lebewesen vertreten, das beide Klimazonen vertragen kann. Die verschiedenen Lebensformen besaßen zudem unterschiedliche Voraussetzungen, um existieren zu können. In diesem Punkt glichen sich die Rassen sehr oft. Eine Gemeinsamkeit besaß das Leben immer: Es war die Geburt, der Tod und die Ernährung, egal in welcher Form. Das war von Rasse zu Rasse und von der Art des Lebewesens abhängig. Nicht jede Spezies war und ist auf Sauerstoff und Wasser angewiesen, für sehr viele Zivilisationen ist Methan der Stoff, um atmen und damit überleben zu können. Selbst in der Nahrungsform bestanden und bestehen große Unterschiede. Ein Nahrungsmittel, das für eine Spezies lebensnotwendig sein könnte oder eine Delikatesse sein kann, ist dazu in der Lage eine andere Rasse zu töten.

Jedes Element, jede Substanz und jeder Rohstoff, sie alle haben eine Bestimmung, in jedem Universum, in dem sichtbaren und in allen unsichtbaren. Der Mensch benötigte Wasser und Sauerstoff, um überleben zu können, für andere Lebensformen sind diese Elemente Gift.  Die Atome wurden erschaffen um Licht in die Dunkelheit und Bewegung in den Stillstand zu bringen. Die Masse der Sonnen erzeugt und ermöglicht das Leben und ohne Ausnahme bestehen wir alle und alles aus Sternenstaub. Das Licht und die Bewegung im Raum und in der Zeit schafft ebenso Leben und das Dasein des Lebens sorgt dafür, dass es Licht und Bewegung gibt.

Alarmstufe 1

Der Krieg gegen die Saprobien war älter als fünf Menschenleben. Eigentlich dauerte der Konflikt bereits deutlich länger, denn die Lebenserwartung eines Menschen war nach der Apokalypse wesentlich gesunken. Alles Geschehene hatte seinen Ursprung …

Der 01. Juni des Jahres 2417 wurde zu einem Tag, der den Nachkommen der Apokalypse endgültig die Augen öffnete. Der Blick, der sich der im irdischen Sonnensystem lebenden Menschheit bot, beinhaltete mehrere Szenarios, doch keines davon besaß ein positives Gemälde, weder von der Vergangenheit, noch über die Gegenwart und schon gar nicht über die Zeit nach der bis dahin größten Schlacht im Weltraum. Noch deprimierender war, dass es nichts Motivierendes von den bevorstehenden Tagen, Wochen und Jahren zu sehen gab, denn die Zukunft schien für die menschliche Rasse nichts Gutes bereit zu halten, doch das änderte nichts daran, dass die Zukunft bereits begonnen hatte.

Die Saprobien waren eine Lebensform, die sich nach der Apokalypse auf der Erde entwickelt hatte. Die Entdeckung ihrer Existenz wurde durch einen Zufall möglich und schnell wurde klar, dass die Saprobie eine Abart, sozusagen einen Ableger des Menschen darstellte. Millionen hatten die Apokalypse auf dem einst blauen Planeten überlebt und mutierten in der Folge auf Grund der gegebenen Lebensbedingungen und durch die Fortpflanzung sowie den gentechnischen Schäden zu einer Spezies, die mit ihrem Wirt fast nichts mehr gemeinsam hatte. Die Saprobien waren eine körper- und hirngeschädigte Spezies, die sich von Unrat ernährte und mehr Ähnlichkeiten zu einem Zombie und Insekt aufwies, als zu einem Menschen und zunächst ging von diesen Wesen keine Gefahr aus.

Das ändere sich abrupt, als sich von einem Wissenschaftler entwickelte synthetische Roboter, die später als Synandros bezeichnet wurden, wegen einem Programmierfehler selbständig machten und vom Mond auf die Erde flohen. Bereits kurz danach begannen die Saprobien unter der Leitung der Synandros mit Terrorangriffen auf menschliche Einrichtungen. Einem dieser Angriffe fiel die Raumstation ISS zum Opfer. Schon damals wurde es bald ersichtlich und erwies sich zudem als ein Glücksfall, dass die Kolonien der Menschheit für gezielte Attacken der Saprobien und Synandros zu weit von der Erde entfernt lagen. Dabei blieb es und schien sich nicht verändert zu haben, doch der Mensch wurde während der Offensive der Synandros und Saprobien eines Besseren belehrt.

Jeder Nadelstich der synthetischen Roboter und der Saprobien tat der Menschheit weh, denn jeder Verlust an Material und Menschenleben konnte nicht wie früher umgehend ersetzt werden. Es mangelte insbesondere an Piloten, an Ärzten, Wissenschaftlern und an Arbeitern, denn die Ressourcen mussten erst abgebaut werden, um sie verwenden zu können. Zum ersten Mal während seiner Evolution war der Mensch wichtiger als irgendein Material. Trotzdem wurde eine nicht unerhebliche Anzahl der Terrorakte wegen ihrer Wirkungslosigkeit hochnäsig belächelt. Die Strafe für den Irrglauben der Dominanz über eine primitive Spezies und irgendwelche Maschinen sollte folgen. Im Nachhinein müssen die Nadelstiche der Roboter und der Saprobien anders angesehen werden, denn diese Angriffe dienten nur einem Zweck, nämlich der Verbesserung und der Erprobung der gesamten Kampfkapazitäten. Außerdem sorgten die Terrorakte für Unsicherheit bei der Bevölkerung, überforderte das knappe Personal in den Kontrollzentren und sorgte für Verluste bei der Raumflotte der Vereinten Menschheit. Aus Schaden wird man klug, doch das traf wie so oft auf die Zivilisation der Gegenwart nicht zu, denn besser als es die Synandros taten, konnte die Kampfkraft ihrer aus den Saprobien bestehenden Flotte nicht verbessert und eine Offensive nicht geplant sowie koordiniert werden. Es fällt schwer es zugeben zu müssen, aber auf das was kam und womit die Menschheit konfrontiert wurde, niemand war darauf vorbereitet. Das Potenzial der angreifenden Flotte und die Wucht des Angriffs wurde vollkommen, geradezu sträflich unterschätzt.

Es war ein furchterregender und ein ebenso emotional bewegender Anblick als die Flotte der Synandros aus der Wolkendecke aufstieg, die den gesamten Globus undurchdringlich umspannte. Unbemannte Drohnen überwachten die Erde und lieferten den Kontrollorganen die Bilder, die bei den zuständigen Gremien Entsetzen und Staunen hervorriefen. Tausende Flugzeuge, vom Jet bis zu einem Passagierflugzeug oder Maschinen, die für einen Aufenthalt im Weltall flugtauglich gemacht worden waren, verließen die Erdatmosphäre. In der Annahme das die Angriffswelle der Saprobien der eigenen Flotte in allen Belangen hoffnungslos unterlegen war, entstand keine Panik, doch die Radarbildschirme und die Bilder der Drohnen ließen es nicht zu, dass überhaupt keine Unruhe aufkam und die verwandelte sich in eine ungewohnte Nervosität, die schließlich zu einer echten Besorgnis heranwuchs. Das geschah spätestens dann, als die zweite Angriffswelle der Synandros der Erdatmosphäre entstieg und die Bildübertragungen der Drohnen immer weniger wurden.

Die letzten Bilder, die von den Drohnen an die Leitstellen gesendet worden waren, wurden umgehend weitergeleitet und in aller Eile von Spezialisten ausgewertet. Die Analyse der Aufnahmen, erbrachte eine Erkenntnis, die unerfreulich und besorgniserregend war und nicht endgültig sein konnte. An der Qualität der Bilder gab es nichts auszusetzen, doch sie wurden aus einer Entfernung gemacht, die kein abschließendes Fazit zuließ. Dennoch gelang es einen kleinen Teil der feindlichen Flotte zu bewerten und wenn das Ergebnis bekannt geworden wäre, hätte es womöglich eine Panik unter der Bevölkerung und bei den Piloten verursacht.

Die Raumflotte der Vereinten Menschheit konnte sich jedoch ein Zögern, Angst sowie eine Schockstarre unter ihren Piloten nicht leisten, die Folgen wären fatal gewesen. Somit unterlag das Resultat der obersten Geheimhaltung.

Bei der gewonnenen Erkenntnis handelte es sich teilweise um eine längst bekannte und befürchtete Gewissheit, aber ebenso um eine Zukunftsvision, von der die Menschheit hoffte, dass sie von den Synandros nie realisiert werden konnte. Es war bekannt, dass es sich bei den synthetischen Robotern um Androiden handelte, die fähig waren dazuzulernen und es wurde ersichtlich, dass sie es in einer unglaublichen Geschwindigkeit taten. Das Tempo, das sie bei ihrer Fortentwicklung einschlugen, war aus technischer Sicht beeindruckend und nachvollziehbar, doch es wurde der Vereinten Menschheit durch eine Tatsache unerklärlich und die betraf die Möglichkeiten der synthetischen Roboter. Ursprünglich waren es acht Exemplare gewesen, die von der Mondkolonie Luna auf die Erde geflohen waren, inzwischen wusste niemand, ob sich ihre Anzahl erhöht hatte. Es war denkbar, dass die Synandros dazu fähig waren ein Ebenbild von sich zu erschaffen. Trotzdem waren die Androiden einem Nachteil ausgesetzt, von dem die Führung der Vereinten Menschheit hoffte, dass er die Möglichkeiten der intelligenten Maschinen wesentlich einschränken konnte. Es war ihr Umfeld, es war der Ort, auf dem die Androiden existierten, es war die Erde.

Insgeheim baute der Mensch in diesem Punkt auf die Hilfe des Planeten, der einst seine Heimat gewesen war und den er zunächst vergiftet und dann zerstört hatte. Die Vertreter der Vereinten Menschheit hofften darauf, dass der einst blaue Himmelskörper den Synandros keine Ressourcen bieten konnte, die der Vermehrung und der Evolution der künstlichen Intelligenz förderlich waren, denn die Erde war ein verseuchter, ausgebeuteter und unberechenbarer Planet geworden. Daran war der Mensch schuld und ausgerechnet der Schuldige erhoffte sich den Beistand des Leidtragenden.

Bis zu der Offensive der Saprobien unter der Leitung der Synandros konnte darüber überwiegend nur spekuliert werden, ob der Planet Erde einen negativen Einfluss auf die Fortentwicklung der Roboter ausüben konnte. Dass die Synandros sich weiterentwickelten und in das Dasein der Saprobien Eingriffen, das wurde durch die Nadelstiche in der Vergangenheit ersichtlich, allerdings blieb es verborgen in welchem Umfang es geschah. Die Bilder gaben darüber eine bedingte und doch bereits eine unfassbare Auskunft.

Es gestaltete sich als sehr schwierig die Details der aus einer großen Entfernung gemachten Aufnahmen erkennbar zu vergrößern. Noch schwieriger war es die gesehenen Dinge richtig einzuordnen, doch dabei halfen uns ungewollt die Synandros selbst. Die Menschheit erlangte durch die Terrorakte der Saprobien ständig neue Fakten über diese Lebensform, die der Nachkomme des Menschen auf der Erde war und die der Mensch letztendlich selbst geschaffen hatte. Wie bei jeder anderen Spezies im Universum blieb die Evolution bei den Saprobien nicht stehen. Die Abart des Menschen war zu einem Teil der Natur geworden und unterlag damit den Naturgesetzen. Allein dieser Faktor gab den Saprobien die Daseinsberechtigung und verbot es jeder anderen Lebensform an dieser Existenzberechtigung zu rütteln. Die Synandros stellten jedoch kein biologisches Leben dar, es waren Maschinen, die selbständig denken, handeln und dazu lernen konnten. Vor fünfhundert Jahren wären die Androiden ein unbedeutendes und lebloses kleines Stück Metall gewesen, doch nun war das kalte Metall warm, konnte sich bewegen und sich in seinem äußeren Erscheinungsbild durch einen synthetischen Stoff dem Aussehen eines Menschen anpassen. Die Existenz der künstlichen Intelligenz stellte für die Nachkommen der Apokalypse keine unbekannte Größe oder Gefahr dar, sondern bedrohte ihr eigenes Leben in allerhöchstem Maße.

Die Saprobien hatten sich seit ihrer Entdeckung verändert und die erhoffte Selbstregenerierung dieser Spezies sowie die ihres Aufenthaltsortes, dies des Planeten Erde, war bis in die Gegenwart ausgeblieben. Im Gegenteil, in Bezug auf die Saprobien erschien es den Wissenschaftlern eher so, dass ihre Evolution sehr langsam voranschritt oder gänzlich eine Pause eingelegt hatte. Einige Experten vermuteten sogar eine rückläufige Fortentwicklung der menschlichen Abart und der Laie, der eine Saprobie zu sehen bekam, schloss sich dieser Meinung unverzüglich und uneingeschränkt an.

Fast dreihundert Jahre nach der Entdeckung der Saprobien hatte sich ihr Äußeres noch negativer entwickelt, als es einst ohnehin schon der Fall war. Für den größten Teil der Wissenschaft war das ein Zeichen, dass durch die Lebensbedingungen auf der Erde die Macht der Evolution außer Kraft gesetzt wurde. Einige Forscher waren hingegen davon überzeugt, dass die gegenwärtige Erscheinungsform der Saprobien eben ihrer Fortentwicklung angerechnet werden musste. Das vorhandene Wissen über die Saprobien entstand durch die Terrorakte der Saprobien und ihren Opfern, die bei diesen Angriffen getötet und geborgen wurden. Bei den Obduktionen der toten Saprobien wurden gravierende Veränderungen an und in ihrem Körper festgestellt. In einem Punkt unterschied sich diese Lebensform jedoch nach wie vor nicht von den Menschen, denn um überhaupt existieren zu können benötigten die Saprobien Sauerstoff zum Atmen, obwohl der Aufbau des Gases, mit dem vom Menschen eingeatmeten nicht mehr vollkommen identisch sein musste. Die Luft auf der Erde war global verseucht, stellenweise hochgradig, mancherorts und in einst entlegenen oder schwach besiedelten Gegenden allerdings deutlich weniger als in ehemaligen Ballungszentren und Großstädten. Dieses Wissen und die von den Drohnen gemachten Aufnahmen widersprachen sich jedoch und diese Entdeckung sollte sich im Kampf gegen die Saprobien als nützlich erweisen.

Die Übermacht, die der Raumflotte der Vereinten Menschheit gegenüberstand, war beängstigend, doch mit den ersten abgefeuerten Raketen stellte sich heraus, dass die erste Angriffswelle aus unbemannten Fluggeräten bestand. Die Flugzeuge aller Art waren von den Synandros zu fliegenden Bomben mit einer immensen Sprengkraft umgebaut worden und das sorgte dafür, dass sich die gewählte Verteidigungstaktik der Raumflotte als falsch erwies. Es war vorstellbar, dass mehrere Treffer zur gleichen Zeit am selben Objekt eine Überlastung des elektromagnetischen Schutzschildes auslösen und damit irreparable Schäden sowie zahlreiche Tote herbeiführen konnten, doch die Flotte der Vereinten Menschheit ließ den Gegner wegen der großen Überzahl kommen, anstatt sich ihm in sicherer Entfernung von den Kolonien entgegen zu stellen.

Die Strategie und geplante Vorgehensweise der Raumflotte erschienen allen an der Planung und den anschließenden Gesprächen beteiligten Personen als geeignet, um dem Angriff standzuhalten. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass die Synandros ihren Schöpfer und Feind, den Menschen, mit der ersten Angriffswelle zu täuschen beabsichtigten. Es gelang ihnen, denn es war wegen ihrer Anzahl unmöglich alle fliegenden Bomben abzuschießen. Allerdings ging die größere Gefahr von der zweiten Angriffswelle aus, von der es zwar nur wenige Bilder gab, aber die reichten aus, um die potenzielle Bedrohung zu erkennen. Die Aufnahmen der Drohnen zeigten es deutlich, die angreifenden Flugzeuge, allesamt schwer bewaffnete und umkonstruierte Jets, wurden von Saprobien geflogen, die keinen Helm trugen und somit keinen Sauerstoff zum Atmen benötigten. Darauf gab es nur eine Antwort und die ließ eine einzige Schlussfolgerung zu, nämlich dass die sich vom Unrat ernährende Bakterie, die eine Abart des Menschen darstellte, keine Saprobie mehr war.

Die Saprobien, die sich äußerlich rückläufig zu entwickeln schien, wurde von den Synandros zu einer Armee von Kampfrobotern umfunktioniert. Schon bald nach der Entdeckung der Saprobien wurde von der Vereinten Menschheit beschlossen, dass diese Lebensform von den Nachkommen der Apokalypse ignoriert werden sollte. Der Beschluss wurde eingehalten und wäre in seiner Durchführung perfekt gewesen, wenn es nicht die Terrorakte von der Erde gegen die menschlichen Einrichtungen und Kolonien im irdischen Sonnensystem gegeben hätte. Es war von Anfang an klar, dass die Synandros für die Angriffe verantwortlich waren und dass sie die Saprobien für ihre Zwecke missbrauchten und einsetzten. Erschreckend war die Geschwindigkeit, mit der sie es taten, denn die Nadelstiche wurden immer mehr und das bedeutete, dass die Synandros ihre Armee ständig vergrößerten. Zunehmend beängstigend wurde die Schlagkraft, der zu Maschinen umgestalten Saprobien, ihre Fähigkeiten wurden von den Synandros weiterentwickelt. In einem Punkt hatte die Menschheit Glück, die Synandros waren nicht allmächtig. Zu acht waren sie von der Mondkolonie Luna auf die Erde geflohen und es war nach wie vor unbekannt, ob sie die Fähigkeit besaßen ihresgleichen zu erschaffen. Trotzdem hatten die Synandros ähnliche Probleme wie die Menschen. In jenen Tagen konnte behauptet werden, dass es ihnen an Material fehlte, um ihre Schlagkraft entscheidend zu verbessern. Ebenso verfügten die Synandros über einen unbegrenzten Nachschub für ihre Armee, doch es fehlte ihnen die Möglichkeit, die Saprobien massenhaft in kriegerische Maschinen zu verwandeln. Es stand außer Frage, hätten es die Synandros besser machen können, dann hätten sie es getan und die Menschheit wäre verloren gewesen.

Die Körper der Saprobien waren von jeher ekelhaft anzusehen und besaßen deswegen eine abstoßende Wirkung. Bei ihrer Entdeckung vermittelten sie einem das Bild eines Zombies. Fakt wurde, dass Millionen Menschen die Apokalypse überlebt hatten und ebenso, dass es für sie keine Rettung gab. Es existierten keine Orte im irdischen Sonnensystem, an die sie gebracht werden konnten. Es fehlte an Platz, Lebensmittel, Arzneien, an Wasser und Transportmittel, es fehlte an Sauerstoff, es fehlte an allem, was eine Rettung der Überlebenden ermöglicht hätte.

Forscher im irdischen Sonnensystem, allen voran Doktor Li Ming, stellten schnell fest, dass es sich bei den Saprobien um die Nachkommen der Menschen auf der Erde handelte. Die Abart des Menschen wurde im Jahr 2131 entdeckt, damit 156 Jahre nach der Apokalypse. Die Saprobien befanden sich somit mindestens in der dritten Generation und ihre gentechnischen Fehlbildungen wurden von den Lebensbedingungen auf der Erde verursacht. Damals fanden ein Jahr lang Forschungsflüge zu dem einst blauen Planeten statt. Während dieser Zeit und noch danach konnten auf der Erde Dinge geborgen werden, die das Überleben der Menschen im irdischen Sonnensystem teilweise sicherten, aber vor allem die Vergangenheit präsenter machten und den erreichten Fortschritt ermöglichen. Die Flüge zur Erde endeten, doch durch die Terrorakte der Saprobien wurde ersichtlich, dass sich diese Spezies wie jedes andere Lebewesen auch veränderte und einer ungewissen Evolution unterlag. Ein gesunder Mensch wurde auf der Erde nach der Apokalypse nie entdeckt, aber die Abart des Menschen bestand und besteht bis in die Gegenwart aus Abermillionen. Obwohl die Synandros die Saprobien für ihren Zweck missbrauchten, war an deren ohnehin geschädigten Körpern eine unbekannte Fortentwicklung zu erkennen. Wo die Evolution der Saprobien endet oder wohin sie diese Lebensform führt, ist allerdings nach wie vor unbekannt.

Die Abart des Menschen leidet unter gravierenden körperlichen Fehlbildungen. Nicht eine Saprobie hat mit einem Menschen inzwischen etwas gemeinsam. Es schien keine Saprobie zu geben, die größer als 140 Zentimeter war. Die Lebensform verfügte über keinen Haarwuchs, besaß keine Zähne und ist verschiedenartig missgestaltet und dass im allerhöchsten Grad sowie am ganzen Körper. Es wurden jedoch Auffälligkeiten registriert. Die Lebenserwartung der Saprobien hatte sich eindeutig verringert und jede Saprobie hatte entweder mehr Finger als Zehen oder mehr Zehen als Finger, allerdings waren es in den seltensten Fällen an einer Hand oder einem Fuß fünf. Überwiegend besaß diese Lebensform mehr Zehen als Finger und sehr oft verfügte sie über mehr als sieben Zehen an einem Bein. Umgekehrt war es seltener der Fall. Nägel an Fingern und Zehen waren nie vorhanden und die Saprobien schienen in ihren entstellten Gesichtern keine Muskeln und Nervenstränge zu haben. Ihre lippenlosen Fratzen mit einem, zwei oder drei leblosen Augen waren ausdruckslos und wirkten wie die Köpfe eines urzeitlichen sowie gefräßigen Raubtieres. Als ob dieser Anblick nicht bereits für einen Schockzustand ausgereicht hätte, wurde er durch das Gesamtbild der Saprobie zu einer Qual aller menschlichen Emotionen. Für den Organismus der Saprobien stellte die Evolution womöglich einen Fortschritt dar, dem menschlichen Auge erschien sie jedoch eine Entwicklung in die falsche Richtung zu sein und löste in der Optik jedes Menschen ein Inferno aus, denn die Lebensform steckte in einer durchsichtigen Haut. Jede Vene, jede Ader und jedes Organ waren zu sehen und wer es sah, wurde wegen der sichtbaren Anatomie auf eine harte Probe gestellt. Aus dieser Sicht war es beruhigend und für den Existenzkampf der Menschheit wichtig, dass nur sehr wenig Menschen die Saprobien zu Gesicht bekamen.

Die Menschheit, insbesondere die Raumflotte, stand der Offensive der Saprobien trotz allen Nachteilen nicht machtlos und ohnmächtig gegenüber. Drei Dinge besaßen die im irdischen Sonnensystem lebenden Menschen, die für sie sprachen. Es war die eindeutig bessere Qualität der Raumschiffe sowie die schlagkräftigere Bewaffnung und der elektromagnetische Schutzschild. Der größte Nachteil der Vereinten Menschheit bestand nicht aus der Überzahl des Feindes, sondern lag in der fehlenden Kampferfahrung. Die regelmäßigen Angriffe, die von den Synandros gegen die Menschen eingeleitet wurden, konnten eine solche nicht herbeiführen. Es fehlte an Weitblick, der Übersicht insgesamt und vor allem an der erforderlichen Gelassenheit. Die benötigte Anspannung und Konzentration waren somit eine Gleichung, die jeden Augenblick in eine Panik umschlagen konnte und eine solche war in der Lage verheerende Konsequenzen auszulösen. Es war schon immer so gewesen, der Urtrieb eines einzigen Menschen zu überleben riss viele seiner Mitmenschen in den Tod. Das Leben erwies sich in bedrohlichen Situationen erneut als ungerecht, denn wahnsinnigerweise blieb meist der Verursacher der Hysterie am Leben, obwohl bei klarem Verstand und richtigem Verhalten jede gefährdete Person überlebt hätte.

Die Vertreter und Führungsstäbe der Vereinten Menschheit hatten keine Alternativen und waren dazu gezwungen, dem Feind die unerfahrene und viel zu junge Raumflotte entgegen zu stellen. Die alternativlose Maßnahme endete trotz der besseren Ausrüstung in einem Desaster …

Der fünfte Apostel

Epepedinay

Epepedinay war einer der Apostel, der die Spezies Mensch nicht mochte. Die zwölf Apostel besaßen in dem Sinn keine Gefühle wie Hass und Liebe, aber durchaus besaßen sie die Fähigkeit etwas zu mögen oder abzulehnen. Epepedinay ließ die Rasse der Menschheit links liegen und mied den Planeten Erde so gut es ging. Immer wieder warf er seinem Mentor Bethestuda von Lot vor, mit der Schöpfung des Lebens auf dem einst blauen Planeten einen Fehler begangen zu haben.

Der Apostel Epepedinay war im Universum viel unterwegs und es gab Reisen, die er gerne antrat und solche, denen er sich beinahe verweigerte. Zu groß war seine Skepsis gegenüber den Völkern im sichtbaren und unsichtbaren Universum, die den Planeten, auf dem sie lebten, ausbeuteten und damit zerstörten. Für ihn lag es auf der Hand, dass die intelligenten Rassen, besonders jene, die sich für besonders klug hielten, am wenigsten von dem Himmelskörper begriffen, der ihnen eine Heimat bot. Es war immer so gewesen, in jedem Universum und auf jedem Planeten, auf dem eine geistig fortgeschrittene Spezies lebte. Für diese Völker gab es keinen Halt, ihr Streben galt der Bequemlichkeit, dem Wohlstand und der Macht. Allerdings gab es Rassen, die diesen Weg gingen, ohne sich gegenseitig zu exekutieren. Für Epepedinay war das eine Alternative, die er akzeptieren konnte, denn es gab in all den Galaxien kaum denkende Völker, die nicht noch mehr wollten, als sie bereits besaßen.

Die Menschen jedoch waren anders und in vielen Bereichen tatsächlich einzigartig. Sie wollten nicht nur noch mehr, nein, sie wollten Alles! Aus diesem Grund versuchte Epepedinay den Reisen zur Erde zu entkommen, denn er konnte es nicht mitansehen, wie die Menschheit alles zerstörte, was er und die anderen elf Apostel einst geschaffen hatten. Die Menschheit war stets darum bemüht, dass zu vernichten, wovon ihr eigenes Leben abhängig war.

Unabhängig davon, ob dieser Aspekt einem intelligent handelnden Wesen zugeordnet werden konnte, was die Menschen taten, war wesentlich schlimmer. Diese Rasse arbeitete konsequent an ihrer eigenen Vernichtung, sie war zu dumm und zu gierig, um es zu bemerken, doch sie riss zudem andere Lebensformen mit in den Abgrund. Wäre die Erde ein kugelförmiger Steinhaufen gewesen und nur von der von der Kieselessenden Spezies Mensch bewohnt, dann hätte es Epepedinay womöglich als ein ungewöhnliches Missgeschick der Natur bezeichnet, doch dem war eben nicht so.

Für Epepedinay war der Mensch ein Geier, der alles fraß und der auf nichts verzichten wollte. Deswegen gab es für ihn nur ein gerechtes Urteil, das diese Rasse betraf und das lautete: In allen Punkten der Anklage schuldig!

Viele Lichtjahre entfernt …

Die Lebensumstände und die Ereignisse im irdischen Sonnensystem waren für Andro und seine zwölf Jungs über zweihundert Lichtjahre entfernt. Umgerechnet bedeutete es, dass die dreizehn Personen die Erde in fast genau 212 Jahren erreichen könnten. Allerdings war die Voraussetzung dafür ein Start innerhalb der nächsten Wochen und eine dauerhafte Reisegeschwindigkeit von dreihunderttausend Kilometern in der Sekunde. Die Vorstellung, dass die derzeitige Gegenwart der Erde bei der Ankunft zweihundert Jahre älter wäre, besaß eine sonderbare Faszination, doch damit beschäftigte sich Andro nicht. Er hatte andere und wichtigere Aufgaben.

Es gab Tage, an denen er daran zurückdachte, wie er und die zwölf Jungs, die damals noch gar nicht geboren waren, auf den Planet Eden gestrandet sind. Es war ein Unternehmen, das von der ersten Sekunde an unter strengster Geheimhaltung ablief. Damals, in den ersten Jahren nach der Apokalypse sah es nicht danach aus, dass die Menschheit überleben konnte. Die kleinen Siedlungen im irdischen Sonnensystem und die in ihrer Kapazität begrenzten Raumstationen gaben keinen Anlass zur Hoffnung, das die Überlebenden der Apokalypse sich auf Dauer eine Existenz schaffen könnten. 5171 Menschen waren dem Inferno entkommen. Entweder lebten sie bereits in den menschlichen Einrichtungen im Weltraum und Kolonien oder sie gehörten zu den wenigen Glücklichen, die im letzten Moment evakuiert werden konnten. In den ersten Wochen und Monaten wirkte bei allen Überlebenden zunächst der Schock über die Ereignisse auf der Erde nach. Die seelische Last hemmte ihre Einsatzfähigkeit, ebenso ihre Belastbarkeit und letztendlich ihre Bemühungen, um am Leben zu bleiben.

Die Herkunft der etwas mehr als fünftausend Personen, deren Zukunft ungewiss war, wurde nicht mehr Europa, Amerika oder Asien genannt, sondern als Planet Erde angegeben. Es gab keine Nationalität mehr, stattdessen wurde wegen der Umstände aus Zwang die Menschheit geboren. Es mangelte an allem und überall. Diese Situation ließ die führenden Köpfe der Überlebenden zusammenkommen und ein geheimes Gespräch führen. Die Lebensumstände und die Bedingungen auf dem Mars, auf dem Mond und auf der Weltraumstation ISS waren katastrophal und unter den Gegebenheiten war ein Überleben der Menschheit eine unerfüllbare Vision.

 Ein paar Jahrzehnte später wäre ein solches Treffen und die bei dem Gespräch getroffene Vereinbarung unvorstellbar und unmöglich geheim zu halten gewesen. Bei der Debatte ging es nicht mehr um das Überleben der Rasse Mensch, sondern um ihren Fortbestand. Schnell waren sich die anwesenden Personen einig, dass die Menschheit im irdischen Sonnensystem nicht existieren konnte. Die Voraussetzungen dafür fehlten und waren nicht gegeben. Zu wenig hatten die verantwortlichen Politiker der Vergangenheit in die Weltraumforschung investiert, aber noch weniger war vor allem darin passiert, was das Fortbestehen der menschlichen Rasse anbetraf. Die Szenarien lagen in den Schubfächern aller Weltraumorganisationen und beschäftigten sich mit einem atomaren Holocaust und mit der Kollision der Erde mit einem anderen Himmelskörper, doch in diese Richtung wurde nichts unternommen. Das Abkommen der anwesenden Personen sah vor, das irdische Sonnensystem zu verlassen, um einen bewohnbaren Planeten zu finden. Es waren inzwischen Planeten bekannt, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit besiedelt werden konnten.  

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen wurde von extra außerwählten Arbeitern mit dem Bau eines Raumschiffes begonnen. Das Gespräch fand wenige Wochen nach der Apokalypse statt, der Baubeginn verzögerte sich jedoch um Monate. Die Arbeiten an dem Raumschiff mussten in der Folge immer wieder unterbrochen werden, denn es fehlte an Material und es benötigte oft eine lange Zeit, bis es besorgt und geliefert wurde. Als das Raumschiff fertig war, degradierte sich das Projekt zu einem Debakel. Die überwiegende Anzahl der Arbeiter, die den Baubeginn des Raumschiffes erlebt und an dessen Entstehen mitgewirkt hatten, waren inzwischen gestorben, krank oder zu alt, um das ihnen gegebene Versprechen für sich einlösen zu können. Als Lohn war ihnen nämlich ein Platz an Bord versprochen worden. Am Ende flog niemand mit, der in irgendeiner Form am Bau des Raumschiffes beteiligt war.

Von den führenden Köpfen, die den Plan ausgeheckt hatten, erlebte keiner die Fertigstellung des Raumschiffes. Im Jahr 2078 wurde mit der Konstruktion des Raumschiffes begonnen. Fast zwanzig Jahre später, in der zweiten Dezemberwoche des Jahres 2097, wurde es fertiggestellt und der Jungfernflug des Raumschiffes sollte zugleich die Mission sein, für die es gebaut worden war.



Die Universum trat ihre Reise in das Ungewisse am 3. Januar 2098 an. Die Produktion war wie die mit dem Raumschiff geplante Mission ein einziger Verzweiflungsakt, aber auch eine Gräueltat, denn das Unterfangen war wenigen Menschen bekannt und sollte nur einigen Außerwählten das Überleben sichern. In jenem Jahr lebte der Rest der Menschheit seit dreiundzwanzig Jahren permanent im All, auf den Raumstationen und auf den Kolonien, die bis dahin bereits erschaffen und ausgebaut worden waren. Der Bau von neuen Siedlungen war ein Unterfangen der Unmöglichkeit, zunächst. Es fehlte alles was man dazu benötigte oder war in einem Maß vorhanden, der geradezu lächerlich war.

Terra City hatte zu diesem Zeitpunkt eine Größe von dreitausend Einwohnern. Die Raumstation Galaxy, mit deren Bau gegen 2040 begonnen wurde, konnte nicht einmal bedingt genutzt werden, denn ihre Fertigstellung war noch nicht abgeschlossen und auf der Mondkolonie Luna lebten nicht einmal tausend Menschen. Sie kümmerten sich um die Forterhaltung der eigenen Rasse. Die Besiedlung des irdischen Sonnensystems stand praktisch noch am Anfang. Auf den Jupitermonden wurden gerade mal Rohstoffe abgebaut und der Titan war gar nicht besiedelt. An viele weitere Projekte, die dreihundert Jahre später existieren sollten, dachte man in jenen Tagen überhaupt nicht. Sie lagen in der Zukunft und waren genauso unvorstellbar wie die Zukunft selbst. Es war und blieb ein Überlebenskampf, jede Stunde, jeden Tag. Die Existenz der Menschheit war auf das Höchste gefährdet, deswegen erhielt in einigen Köpfen das Projekt des Raumschiffes Universum die allergrößte Priorität.

Allerdings dachten sie nicht an ihre Mitmenschen, sondern in erster Linie an sich selbst und ihre Familien. Außenstehende, so war es geplant, sollten an der Mission zu einem bewohnbaren Planeten nicht teilnehmen. Der Baubeginn des Raumschiffes erfolgte im Jahr 2078 und stand zunächst unter keinem guten Stern. Mangel an Werkzeug, Material und geeigneten Kräften waren die Ursache der kaum fortschreitenden Entwicklung. Erst als ein Mann mit dem Namen James David Shannon, der erste inoffizielle Repräsentant, da es die Nation der Vereinten Menschheit noch nicht gab, sich dem Unternehmen annahm ging es deutlich voran. Die Erschaffung des Raumschiffes Universum war in allen Bereichen ein Pilotprojekt und das blieb sie bis in die Gegenwart. Nie wieder hat ein Mensch seitdem das irdische Sonnensystem ohne ein bestimmtes Ziel verlassen. Bei ihrer Fertigstellung im Jahr 2097 verfügte die Universum über alle technischen Errungenschaften, die dem Menschen damals zur Verfügung standen und ihr Flug war das waghalsigste Abenteuer, das die Menschheit jemals eingegangen war, zwangsläufig eingehen musste.

Die zwanzigjährigen Bauarbeiten der Universum erfolgten im Orbit der Erde an der Raumstation ISS. Die ständig bemannte Raumstation wurde in der Mitte des einundzwanzigsten Jahrhunderts wieder komplett saniert und ausgebaut und diente als Raumdock für die Realisierung des Raumschiffes. Einerseits verzögerte das die Arbeiten an dem Raumschiff, andererseits gab es keinen geeigneteren Ort als diesen zu jener Zeit. Im Orbit der Erde blieben die Arbeiten an der Universum unbemerkt. In jenen Tagen umkreiste die Raumstation Alpha als Gerippe den Mars, es sollten noch Jahrzehnte bis zu ihrer Fertigstellung und vollständigen Größe vergehen, doch in der Gegenwart stellte das Objekt praktisch den dritten Mond des roten Planeten dar. Mit bloßem Auge konnte die Raumstation erkannt werden und dient in der Gegenwart zugleich als die Basis der irdischen Raumflotte.

Die Mission der Universum besaß nur einem Zweck, dem Erhalt der menschlichen Rasse. Das Raumschiff sollte eine Reise antreten, dass es zu fremden und höchstwahrscheinlich für den Mensch bewohnbaren Planeten führen sollte. Die Hoffnung war allerdings größer als die Wahrscheinlichkeit.

Zwar gab es fundierte Erkenntnisse und Berechnungen von Planeten, die für den Mensch über geeignete Lebensbedingungen zu verfügen schienen, aber trotz allen Zahlen war es mehr eine Hoffnung. Niemand war auf diesen Planeten gewesen, kein Mensch hatte sie erforscht und selbst wenn sich der Planet zunächst als geeignet erwies, er konnte später dennoch über Eigenschaften verfügen, die den Menschen in Gefahr bringen und seine Rasse aussterben lassen konnten.

Als die Universum fertiggestellt worden war, flog das gesamte geheime Projekt und dessen Absicht auf. Doch das Unternehmen scheiterte nicht daran, sondern wurde, soweit es sich als möglich erwies, human geregelt. So ehrenwert die Ziele der Mission waren, der Standpunkt der Ethik und Moral musste dennoch überdacht werden. Wer sollte diese ungewisse Reise, denn das war sie, trotz aller Wahrscheinlichkeiten, antreten? War man befugt es jemanden zu befehlen? Unter Umständen war der Antritt der Reise ebenso eine Entscheidung über Leben oder Tod, doch das betraf in der damaligen Gegenwart auch den Verbleib im irdischen Sonnensystem. Für den Flug und die Teilnahme an dieser Mission wurden bestimmte Kriterien aufgestellt und letztendlich entschied man sich dafür, Samen für Embryonen an Bord der Universum als Passagiere zu lagern. Schließlich wurde die Besatzung zusammengestellt, sie umfasste fast ausschließlich Männer und Frauen, die über die erforderlichen Kenntnisse verfügten, die für diesen Flug eine Bedingung waren. Das Raumschiff wurde zwar überwiegend automatisch gesteuert, anfallende Arbeiten wurden von Robotern ausgeführt, die mit jenen des Synandro – Projektes nichts gemeinsam hatten, aber es war unmöglich auf eine menschliche Crew zu verzichten. Unvorhergesehene Ereignisse konnte man nicht programmieren, ebenso wenig wie Lösungen für Notsituationen, mit denen man nicht rechnen konnte. Unvorhergesehene Vorfälle konnten nicht ausgeschlossen waren. Die Besatzung musste technisch und mechanisch versiert sein, ein Teil von ihr bedurfte Flugerfahrung und einige andere zumindest Grundkenntnisse in den verschiedensten Bereichen. Letztendlich sollte jeder freiwillig mitfliegen, aus eigener Motivation an der Mission teilnehmen und dabei ließ man nur solche Personen zu, die ihre Argumente glaubwürdig darlegten. Einer von ihnen war Markus Shannon.

Insgesamt nahmen fünfzig Menschen an dem Flug der Universum teil. Das Raumschiff verfügte über mehr als einhundert Arbeitsroboter, hatte genügend Lebensmittel und Wasser an Bord, beides in Form von Tabletten. Es befand sich alles an Ausrüstung und an Raumfähren an Bord, von dem man glaubte, dass es die Mission benötigte. Gespart wurde jedenfalls nicht. Ein Laderaum war ausschließlich mit menschlichen Zellen beladen, dazu gesellten sich Zellen von Pflanzen und Tieren, die der Mensch einst auf der Erde ausgerottet hatte. Natürlich war es weit überzogen, doch einige sahen in der Universum bereits einen Planeten für sich, so viel Material hatte das Schiff geladen. Die Universum war gigantisch in ihren Ausmaßen: Ihre breiteste Stelle war über einhundert Meter, ihre Länge betrug vier Mal so viel und sie besaß drei Etagen die sich über ihrem Körper, dem Frachtraum und den Antriebsräumen, in die Höhe zogen. Sie hatte automatisch ausfahrbare Flügel, glich ansonsten einer unförmigen Zigarre und dennoch war sie ein Wunderwerk der Technik und des Möglichen. Ihre Route führte sie aus dem irdischen Sonnensystem zu Sternen, die mit Gewissheit über mindestens einen Planeten verfügten und von denen man hoffte, dass zumindest eines der Objekte dazu im Stande war, den Menschen eine neue Heimat zu bieten.

Die Universum startete am 03. Januar 2098 und seitdem hatte man nichts mehr von dem Raumschiff gehört. Die überlieferten Erzählungen von ihrem Start und ihrer Mission waren nur wenigen Menschen in der Gegenwart in Erinnerung geblieben, die meisten wussten gar nicht, dass es einst dieses Raumschiff und die Mission gab. Robert Shannon war im Begriff das mit dem Material, das ihm in Form von den Lichtpunkten zur Verfügung stand, zu ändern. Doch dann kam die Offensive der Saprobien und Synandros.

Erst mit der Fertigstellung eines weiteren Teilbereichs von Terra City wurde die menschliche Geschichte ab dem Jahr 2132 weitergeschrieben. Der Öffentlichkeit war das Synandro Projekt jedoch nach wie vor unbekannt. James David Shannon, der Vorfahre von Robert, versuchte damals in mühsamer Kleinarbeit die fehlenden Jahre seit 2075 zwar nachzutragen und teilweise zu rekonstruieren, aber es blieben viele Lücken im Zeitgeschehen offen und die warfen Fragen auf, die anscheinend keiner beantworten konnte. Die Unterlagen über die Vergangenheit vor 2075 waren zum Teil verloren, vernichtet oder irgendwo auf der Erde zurückgeblieben. Die Jahre nach der Apokalypse gaben einem kaum die Gelegenheit Protokolle anzufertigen, es ging schließlich um das Überleben, allerdings betraf es diesmal den Rest der Menschheit. Die Aufzeichnungen und Notizen ab dem Jahr 2080, die auf Luna gelagert und nach Terra City überführt werden sollten, gingen schließlich mit einem Raumschiff verloren als dieses in einen Meteoritenschauer geriet. Unglücklicherweise hatte niemand daran gedacht diese Aufzeichnungen zu kopieren. Robert Shannon war seinem Vorfahr James David unsagbar dankbar, dass dieser sich die Mühe gemacht hatte, die Geschichte der Menschheit soweit nachgetragen wie es ihm einst möglich war. Somit konnte er sich zumindest eine bloße Vorstellung über diese Zeiten machen, noch bevor er die schwebenden und leuchtenden Punkte in die Hand bekam. Aufgrund der Umstände in der Gegenwart wurde der Flug des Raumschiffes Universum für ihn interessant, denn niemand wusste von dessen Existenz.

Der Flug der Universum war eine Reise, die den Menschen aus dem irdischen Sonnensystem heraus und zu fremden Sternen und Planeten führte. Noch nie hatte der Mensch eine Reise in eine andere Dimension dieser Art gewagt, doch er hatte keine andere Wahl. Das Raumschiff sollte so tief in den Weltraum vordringen, wie noch keines zuvor. Der Kurs der Universum war mehrfach berechnet und verändert worden. Als die Route des Raumschiffes feststand, besaßen die Überlebenden der Apokalypse keine neue Heimat, aber die Hoffnung, eine zu finden, war erheblich gestiegen. Jedem, der bei dem Abflug der Universum anwesend war, wurde in dem Moment bewusst, dass er das Raumschiff und dessen Besatzung nie wiedersehen sowie die Rückkehr des Raumschiffes nicht erleben würde. Der Kurs der Universum führte das Raumschiff an mehreren Sonnensystemen vorbei, in fünf davon galt die Existenz von bewohnbaren Planeten als sehr wahrscheinlich. Die Wissenschaftler spielten stets gern mit Formeln und Zahlen und in Prozent bedeutete es, dass die Wahrscheinlichkeit einen für den Menschen geeigneten Planeten zu finden, bei über neunzig Prozent lag. Die Universum, ihre Mission, beides war in allen Belangen ein bis in die Gegenwart einmaliges Pilotprojekt.

Die Menschen in der Gegenwart und Robert Shannon konnten nicht ahnen, dass sich die Universum einem Ort näherte, der die gesamte Menschheitsgeschichte verändern sollte. Die Antwort auf die Frage aller Fragen rückte näher und der Mensch sollte endlich erfahren, wer er war und woher er kam. Robert Shannon sollte es jedoch nicht mehr erleben …



Die Universum glich in ihrem Aussehen einem Sarg, der für ein Hochgeschwindigkeitsrennen präpariert worden war. Das Schiff verfügte über keine Luken oder Fenster, die drei Decks über dem Unterteil waren als solche kaum zu erkennen, nur die Düsen am Heck, sechs an der Zahl, ließen erahnen das die metallische Zigarre so etwas wie ein Raumschiff sein sollte. Der Start der Universum verlief, was ihrem Äußeren absolut entsprach, völlig unspektakulär.

Das Raumschiff koppelte von der Raumstation ISS ab und nahm Kurs auf den äußeren Rand des irdischen Sonnensystems. Dieser lag außerhalb des Planeten Pluto und an Bord wurden während dieser Phase die letzten Vorbereitungen für den Eintritt in die Lichtgeschwindigkeit getroffen. Die Besatzung hatte den Auftrag nach dem Eintritt in diese alle Systeme zu überprüfen, den Sprung in die Lichtgeschwindigkeit zu dokumentieren und im Anschluss daran, sich bis zum Erreichen des ersten Zieles in den Kältetiefschlaf zu begeben. Von den fünfzig Besatzungsmitgliedern mussten fünf Personen während des Fluges einen Kontrolldienst versehen, das im regelmäßigen Wechsel. Es erschien allen Beteiligten zu riskant, um sich voll und ganz auf die automatische Steuerung und die Arbeitsroboter zu verlassen. Das geschah nicht aus dem Grund das man der eigenen Technik nicht vertraute, sondern einzig und allein aus dem Umstand heraus, dass man die Gefahren im Weltraum während so einer Reise nicht einschätzen konnte.

Im Jahr 2098 kannten die Astronomen unzählige Planeten, die meisten waren erwiesenermaßen für den Menschen unbewohnbar. Es gab jedoch mehr als ein Dutzend Objekte, die durchaus in der Lage sein konnten, den Menschen als eine Art zweite Erde zu dienen. Auch bei diesen Planeten war man auf Hochrechnungen, Spektralanalysen und andere Berechnungen angewiesen, deswegen war es unmöglich einen Planeten definitiv als eine zweite Erde zu bezeichnen.

Von daher war der Flug der Universum trotz allem und den berechneten Prozentsätzen eine Reise in das Ungewisse. Die Universum hatte einen Kurs eingeschlagen, der sie in einem gewissen Zeitraum einige dieser Planeten, insgesamt sieben, passieren ließ. Die Energie für die Lichtgeschwindigkeit war nicht unermesslich, sondern betrug bis zum Point of no Return, dem Punkt, an dem man nicht mehr zurückkehren konnte, zweihundert, insgesamt also vierhundert Lichtjahre. Das Unternehmen barg ein Risiko, von dem man hoffte, dass der Fall nie eintreten würde. Die ersten fünf Planeten lagen in einer Reichweite an dem die Universum jederzeit zurück in das irdische Sonnensystem kehren konnte, doch sollten sich diese fünf Planeten als unbewohnbar erweisen und musste der sechste, gegebenenfalls sogar der siebte angeflogen werden, dann hatte das Raumschiff keine Chance mehr um zurück in das irdische Sonnensystem zu kommen.

In jenen Jahren war es nicht möglich die Solarzellen der Raumschiffe aufzufüllen, ohne dass sich diese nicht an einem Raumdock befanden. Sonnenmaterie war zwar durch den Stern im irdischen Sonnensystem, der eben Sonne hieß, zwar reichlich vorhanden, aber sie zu beschaffen wurde durch den Mangel an Gerät und Material erheblich erschwert. Um die Jahrhundertwende im Einundzwanzigsten Jahrhundert stellte die Sonnenmaterie für die Menschen eine Masse dar, deren Wert sehr viel höher als früher die des Goldes eingestuft wurde. Der finanzielle Wert der Sonnenmaterie spielte zwar keine Rolle mehr in der Gesellschaft, aber schon damals war es jedem bewusst, dass wenn sich dieser Status doch irgendwann einmal ändern und so etwas wie eine Wirtschaft entstehen sollte, dann war ein winziger Bruchteil der Sonnenmaterie wertvoller als alles Gold, Silber und Platin zusammen.

Die Universum erreichte ihr erstes Ziel in siebenunddreißig Lichtjahren Entfernung im Jahr 2135 irdischer Zeitrechnung, in dem Jahr als der Krieg gegen die Saprobien begann. Wie angeordnet weckte die aus fünf Personen bestehende wachhabende Besatzung sechs Wochen vor dem Erreichen des ersten Zieles den Rest der Crew. Die Ankunft in dem Sonnensystem war mit einer Enttäuschung verbunden.

Die Wissenschaftler und Astronomen hatten sich geirrt. Der Stern A verfügte über keine bewohnbaren Planeten. Die in diesem System existierenden Himmelskörper waren von Kratern übersäte Gebilde, auf denen ein Mensch nicht leben konnte. Die Sonne von drei Himmelskörpern umkreist, die sich eher mit dem Merkur, Mond oder Mars vergleichen ließen. Es waren unwirtliche, lebensfeindliche und abstoßende Planeten, die ihre Sonne in fast identischem Abstand umrundeten und in einer Entfernung von einhundert Millionen Kilometern zu ihr standen. Dieser Umstand erklärte auch den Irrtum der Forscher auf der Erde. Die Nähe der Planeten zueinander ließ die Wissenschaftler nur einen Planeten vermuten, das führte zu anderen Ergebnissen als sie in der Realität gegeben waren. Diese Tatsache warf an Bord der Universum einen gewissen Grad an Ernüchterung über den größten Triumph der Menschheit auf. Dennoch ließ sich die Crew von diesem Ergebnis nicht entmutigen. Voller Hoffnung setzte das Raumschiff die Mission fort, nachdem man alle wissenschaftlichen Daten über das Planetensystem gesammelt hatte.

Zwölf Jahre später, nachdem man zwölf Millionen Lichtjahre in Lichtgeschwindigkeit zurückgelegt hatte wurde das nächste Ziel erreicht. Die Prozedur an Bord war die gleiche und der Erfolg genauso gering und dennoch überwältigend. Das erreichte Planetensystem in einer Entfernung von neunundvierzig Lichtjahren zur Erde bestand aus fünf Planeten, einem Merkurähnlichem Objekt, drei Gasriesen, von denen keiner die Größe des Jupiters erreichte und einem, dass man nur schwerlich als einen Planeten bezeichnen konnte. Ausgerechnet dieser Himmelskörper, der den zweiten Planeten in diesem System darstellte, faszinierte die Besatzung der Universum und gab ihr eine große Hoffnung mit auf den weiteren Weg. Der Planet war nicht rund, sondern sah aus wie ein Apfel, in den jemand hineingebissen hatte, doch er war bewaldet, hatte Berge und Täler, weite Ebenen und Wüsten. Es waren außerdem Seen und Flüsse auf dem unförmigen Objekt zu erkennen, das über einen Durchmesser von knapp achttausend Kilometer verfügte. Schnell erkannte die Besatzung das der Planet für menschliches Leben nicht geeignet war, die Atmosphäre war giftig, die Flüsse und Seen waren mit Schwefel gefüllt und doch konnte Leben auf dem eigenartigen Himmelskörper entdeckt werden. Aus Sicherheitsgründen wurde auf eine Landung mit einer Raumfähre verzichtet und obwohl sich der ramponierte Planet als für den Menschen lebensfeindlich entpuppt hatte, gab er doch der gesamten Crew Zuversicht für das nächste Ziel. Man hatte Leben außerhalb des irdischen Sonnensystems entdeckt, einerseits hob das die Stimmung und Hoffnung, andererseits, aber niemand sagte es an Bord laut, war man verwirrt, unsicher und deutlich ängstlicher geworden, denn niemand wusste fortan, was im Weltraum noch auf die Menschen wartete oder vielleicht sogar lauerte.

Sechsundzwanzig Jahre später und ebenso viele Lichtjahre tiefer im All stieß das Raumschiff Universum bei seinem dritten Ziel auf einen einzigen, riesigen Planeten der nichts anderes als ein Gesteins- und Wüstenplanet war. Die riesige, karge, öde Kugel mit einem Durchmesser von über einhunderttausend Kilometern umkreiste ihre Sonne in achtzig Millionen Kilometern Entfernung und schien an manchen Stellen förmlich zu kochen. Niedergeschlagen machte sich die Besatzung unverzüglich auf den Weg zu ihrem nächsten Ziel.

Im Jahr 2200 irdischer Zeitrechnung, nach weiteren siebenundzwanzig Jahren, nach einem Flug von 102 Jahren insgesamt in Lichtgeschwindigkeit und genauso weit von der Erde entfernt, erreichte die Universum ihr viertes Ziel. Es war der vorletzte Stern, der vor dem Punkt of no Return lag. An Bord des Raumschiffes war aufgrund der Lichtgeschwindigkeit und des Kältetiefschlafes niemand merklich gealtert, allerdings war die Crew um drei Mitglieder geschrumpft. Bei diesen hatte die Technik der Kälteschlafeinrichtung versagt. Der vierte Stern bot der Besatzung ein Planetensystem, das viele Merkmale des irdischen Sonnensystems aufwies, aber eine zweite Erde war auch hier nicht vorhanden.

Die Stimmung an Bord sank als man das fünfte und somit letzte Ziel ansteuerte, an dem man noch in das irdische Sonnensystem zurückkehren konnte. Achtundvierzig Jahre später erreichte das Raumschiff den fünften Stern und hier existierte überhaupt kein Planet. Die Forscher hatten das Raumschiff im wahrsten Sinne des Wortes in die Leere geschickt und bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Crew insgesamt dreizehn Besatzungsmitglieder verloren. Siebenunddreißig Männer und Frauen mussten darüber entscheiden, ob man umkehren oder weiterfliegen sollte. Ein Weiterflug in das Ungewisse konnte den Tod bedeuten, aber ebenso eventuell ein Weiterleben, wer konnte das wissen und wer konnte einhundertfünfzig Lichtjahre von der Erde entfernt mit Sicherheit behaupten, dass es im irdischen Sonnensystem überhaupt noch menschliches Leben gab? Niemand! Es war dieses Argument, das die Crew weiterfliegen ließ.

Zweiundsechzig Jahre später, 212 Lichtjahre vom irdischen Sonnensystem entfernt, man schrieb das Jahr 2310, erreichte die Universum den grünen Planeten. Robert Shannon war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geboren als Andro darüber entscheiden musste, ob der grüne Planet angeflogen wird oder nicht. Nach der wissenschaftlichen Auswertung gab es keine Alternativen. Der Verbrauch an Energie war überschritten, eine Düse komplett ausgefallen und irreparabel. Zudem hatte sich eine Kursabweichung eingeschlichen. Sie blieb unbemerkt, sowohl von den wachhabenden Menschen als auch von den Bordcomputern und den Robotern.

Jede weitere Abweichung von der ursprünglich berechneten Route und Kurskorrektur drohte dazu zu führen, dass man den siebten und letzten Stern nicht mehr erreichen würde. Aufgrund dessen, dass die Besatzung ohnehin nicht mehr zur Erde zurückkehren konnte, fasste Andro einen Entschluss. Sollte die Mission der Universum zumindest einen Teilerfolg erzielen, musste er handeln. Er belud eine Raumfähre, um zu dem Planetensystem des sechsten Sterns gelangen und um dort überleben zu können. Als er damit fertig war, befand sich an Bord der Fähre alles, was er dazu benötigte. Zu seiner Unterstützung nahm er drei Arbeitsroboter mit und programmierte den Kurs der Universum neu. Auf keinen Fall wollte er die im Kälteschlaf befindliche Crew einer Gefahr aussetzen. Der Energievorrat bereitete ihm Sorgen, doch er löste dieses Problem, indem er die Gravitationskräfte des Sonnensystems zu Hilfe nahm. Das verlängerte den Flug der Universum erheblich, doch nur auf diese Weise konnte das Raumschiff das letzte angestrebte Sonnensystem erreichen. Vor dem Flug war jeder Beteiligte zuversichtlich, dass dieses Planetensystem nicht angeflogen werden musste und fast alle Crewmitglieder waren davon überzeugt, dass für Menschen bewohnbare Planeten schon vorher gefunden werden, doch es kam eben anders. Wahrscheinlichkeiten entsprachen eben nicht der vorhandenen Realität.

Das lag so lange zurück …

Längst war aus den menschlichen Zellen Leben entstanden und die zwölf Knaben reiften inzwischen zu jungen Männern heran. Andro wusste, dass er ihnen gegenüber verpflichtet war, er musste sie mit der Wahrheit konfrontieren. Andro wusste nicht ob diese Ereignisse der Menschheit bekannt waren, aber es spielte keine Rolle, denn ihm war es ebenso unbekannt, ob es im irdischen Sonnensystem überhaupt noch menschliches Leben gab.

Aus diesem Grund hatte er auf der Universum eine Sabotage und eine Kursabweichung herbeigeführt, denn der Zustand der Besatzung und des Raumschiffes befand sich auf einem bedenklichen Niveau. Der gesamten Crew waren die Strapazen der Jahrzehnte anzusehen, obwohl sie die überwiegende Zeit im Kälteschlaf verbracht hatte. Der menschliche Körper zollte der Technik und dem Umfeld Tribut, teilweise in einem erschreckenden Ausmaß. Einige Besatzungsmitglieder zeigten erhebliche Erinnerungslücken, andere merkwürdige Verhaltensweisen und beides wurde womöglich durch den Kälteschlaf verursacht. Niemand konnte es sagen, denn Protokolle von Forschungsergebnissen gab es dazu nicht. Andro hatte keine andere Wahl, sein Auftrag besaß die absolute Priorität und deswegen war er gezwungen, den Kurs zu ändern.



Der Auftrag der Universum oder ihre Mission war eindeutig geregelt worden. Die Crew sollte die an Bord mitgeführten menschlichen Zellen auf so vielen Planeten wie möglich aussetzen und betreuen. Auf jeden Planeten, der für den Menschen geeignet zu sein schien, sollten fünf Besatzungsmitglieder mit den menschlichen Zellen und einer Handvoll Arbeitsroboter verbleiben. Ihre Order bestand darin, eine neue Zivilisation der Menschheit aufzubauen. Es war fatal, denn bis zu der Ankunft bei dem grünen Planeten, hatte die Universum keinen bewohnbaren Planeten passiert und hätte es ohne Andros Tat weiterhin nicht getan, denn der grüne Planet lag nicht auf ihrem Kurs.

Als Andro Eden entdeckt hatte und sich sicher war, dass dieser Himmelskörper den Menschen eine neue Heimat bieten konnte, wenn auch unter erschwerten Bedingungen, manipulierte er die Route und unerheblich, aber entscheidend, die Geschwindigkeit. Wegen der Verfassung der Crew war er der Einzige, der den Dienst versah und hatte somit uneingeschränkte Handlungsfreiheit. Mit der Gewissheit, dass die Hälfte der Crew, die sich im Kälteschlaf befand, gesund war, programmierte er den Kurs neu und verließ mit einer Fähre das Raumschiff. Er nahm, um seinem Auftrag gerecht zu werden, mehrere Dutzende menschlichen Zellen mit und begann mit dem Aufbau einer neuen Zivilisation.

Während die Universum weiterflog und Kurs auf ihr letztes Ziel nahm, das sie mit der vorhandenen Energie gerade noch erreichen konnte, begann Andro mit den Vorbereitungen. Er musste zunächst den Planeten genauer erkunden, um dessen Eigenschaften besser kennenzulernen. Diese Aufgabe nahm sehr viel Zeit in Anspruch, aber er eignete sich ein Wissen über den grünen Planeten an, das es ihm ermöglichte, eine angehend ideale Stelle für sein Vorhaben zu finden. Andro musste ein Umfeld schaffen, in dem die menschlichen Zellen ohne großes Risiko gedeihen und aufwachsen konnten.

Keinesfalls durfte Andro die Zellen einer Gefahr aussetzen und als er seine Vorkehrungen getroffen hatte, setzte er die drei Arbeitsroboter, die er zu seiner Unterstützung mitgenommen hatte, außer Betrieb. Schließlich leitete er den Prozess ein, der ihn zum Vater von zwölf Jungs werden ließ.

Jetzt waren sie soweit und alt genug, um die Wahrheit zu erfahren. Einen Teil ihrer Herkunft wussten sie bereits, den hatten sie im Geschichtsraum der Fähre erfahren. Den Raum hatte Andro während ihrer Kindheit erstellt, aber es gab Dinge, die sie von ihm hören mussten. Er hatte sie alle zu sich bestellt und während er auf sie wartete, dachte er über das Schicksal des Raumschiffes Universum nach. Was wohl aus ihr und der Besatzung geworden war?

Niemand, auch Andro nicht, konnte ahnen, dass die gesamte Menschheit bald vor Gericht stehen sollte, dass die Anklagepunkte schwerwiegend waren und jeden Menschen betrafen, jeden, alle Lebenden und selbst die Toten. Es war einem Mann vorbehalten die Menschheit zu verteidigen, doch noch wusste er nichts davon …

Ende der Leseprobe

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