Offener Brief von John Phillip Starck

Liebe Kollegen, liebe Leser und Besucher meiner Website!

Das Jahr 2020 liegt nun hinter uns, aber längst noch nicht die schweren Zeiten.

Im vergangenen Jahr gab es viele Stunden, in denen ich von verschiedenen Emotionen überrollt wurde. Wut und Zorn, Empörung und Entsetzen, Traurigkeit und Fassungslosigkeit, aber auch Anerkennung, Dankbarkeit und Stolz haben so manchen Tag in meinem Leben zu einem Gefühlskarussell werden lassen.

Leider, und zu meinem tiefsten Bedauern, habe ich in zu vielen Bereichen eine Welt und Gesellschaft erleben müssen, die vor Gier, Egoismus und Gleichgültigkeit dem Mitmenschen gegenüber ein Gesicht gezeigt hat, für das ich mich geschämt habe und für welches ich absolut kein Verständnis aufbringen kann. Teilweise ging dabei der Rest jeglichen Anstands verloren. Panikeinkäufe, Horten, Drängeln, Missachten, Leugnen, sind nur einige Worte, die ein schweres Jahr gemütsmäßig nahezu unerträglich gemacht haben. Dazu kamen Diskussionen, Proteste, Demonstrationen und Verschwörungstheorien und eine Form von Besserwisserei, die bis in die Gegenwart keine Grenzen kennt.

Solchen Leuten, die sogar in den Medien tätig sind, gehört trotz der Meinungsfreiheit der Mund verboten. Hinterher weiß auch ich alles besser!

Es gab und es wird wohl auch künftig in unserem Land keinen Beschluss geben, der im Nachhinein nicht kritisiert, doppeldeutig hinterfragt und bis ins kleinste Detail zerredet wird. Ständig wird dabei vergessen oder besser gesagt, bewusst außer Acht gelassen, dass die gesamte Welt vor einer nie dagewesenen Situation stand und ihr nach wie vor ausgesetzt ist. Ich finde es verwerflich, darüber zu diskutieren, wer als Erster oder Nächster geimpft werden sollte, denn in dieser Hinsicht kann es meiner Meinung nach nur ein Ziel geben: Die Schwächsten und die dem Virus tagtäglich ausgesetzten Menschen zuerst! Darunter fallen alle Berufe, die pflegen, zu heilen versuchen und sich dabei aufopfern.

Diese Hingabe und Leidensbereitschaft, auch jene von den Leuten, die uns an den Kassen und in den Gängen eines Discounters oder sonst wo bedienen, die täglich unterwegs sind, um uns zu versorgen, sie alle haben nicht nur unseren Applaus verdient, sondern unsere uneingeschränkte Hochachtung und Dankbarkeit. Selbst das ist im Grunde genommen zu wenig. Dazu gehören auch die Wissenschaftler, die mit einem Impfstoff unser aller Leben retten wollen, für dessen Entstehung sie wochenlang rund um die Uhr gearbeitet haben. Ebenso die Polizei und Sicherheitskräfte, die sich urplötzlich einem unbekannten Mob gegenübersahen, dessen Existenz der vernünftig denkende Mensch nicht sehen wollte. Ich kann hier nicht jede Berufsgruppe aufzählen, aber ich kann mich hier bedanken: DANKE! VIELEN DANK! JEDEM EINZELNEN VON EUCH EIN TAUSENDFACHES DANKE SCHÖN! Mein Dank gilt allen Menschen, die uns pflegen, zu heilen versuchen, die uns beschützen, nicht allein lassen und die dafür Sorge tragen, dass unser Dasein, der kein gewöhnlicher mehr ist, nicht vollständig zusammengebrochen ist. Wir mussten nicht hungern und dursten, wir haben nicht auf alles verzichten müssen und jede Einschränkung, war nicht gegen uns gerichtet, sondern sollte unserer Gesundheit und der unserer Mitmenschen dienen. Das massive Vorgehen gegen die erlassenen Beschränkungen hat mich entsetzt. Niemals hätte ich gedacht, dass ich in einem Land lebe, in dem es so viel Dummheit, Ignoranz und Gleichgültigkeit gibt. Schlimmer noch: Ich hätte niemals geglaubt, dass so vielen Landsleuten das Leben anderer dermaßen egal ist, und das mehrere Tausend bereit sind, dass Leben von ihren Mitmenschen zu gefährden! Nun, gegen Dummheit, Egoismus und Gleichgültigkeit wird es leider niemals einen Impfstoff geben.

Natürlich, die Mehrheit von uns verhält sich solidarisch und handelt verantwortungsvoll. Auch dafür möchte ich mich bei jedem Einzelnen vom ganzen Herzen bedanken, denn mein kleines soziales Umfeld gehört größtenteils zu der Risikogruppe und glücklicherweise blieb es von dem Virus bisher verschont. Trotzdem, die Ereignisse in den vergangenen Monaten haben uns deutlich und knallhart gezeigt, wie sehr die Gesellschaft zersplittert ist. Nicht nur hier, sondern beinahe weltweit. Wir haben viele gute Eigenschaften und großen Einsatz gesehen. Wir haben erlebt, wie aufopferungsvoll und selbstlos Menschen handeln können. Doch wir mussten zugleich erneut erfahren, wie gierig, böse, egoistisch und gleichgültig das menschliche Wesen sein kann. Es spielt wiederholt für diverse Randbereiche und gewisse Persönlichkeiten keine Rolle mehr, dass wir alle nur ein Leben haben. Ein einziges! Die Pandemie hat offenbart, wie Familien zerbrechen können, wenn sie dazu gezwungen sind, mehrere Wochen gemeinsam in vier Wänden verbringen zu müssen. Sie hat uns gezeigt, wie wenig Liebe und Nähe Kinder von ihren Eltern bekommen und wie schnell der eigene Nachwuchs den Schutzbefohlenen auf die Nerven gehen kann. Ich das nicht schrecklich? Ich finde es grausam in der Gegenwart, ich halte es für eine Tragödie und einen erheblichen Werteverlust in Hinsicht auf die Zukunft.

Nein, meine Worte werden diese Welt nicht besser machen und ganz sicher wird nicht jeder meiner Meinung sein. Allerdings stimmt es mich überaus nachdenklich, das Erlebte, Gesehene, Gehörte und Gelesene. Wie Sie, hoffe ich, dass die Verbreitung von Covid-19 durch den und die neuen Impfstoffe erheblich eingeschränkt wird. Doch es wird dauern, bis zahlenmäßige Erfolge sichtbar werden. Für uns alle bedeutet es, dass Beste daraus zu machen, nicht zu jammern, sich nicht zu widersetzen, sondern solidarisch sein zu dürfen. Vielleicht, so absurd es klingen mag, konnte der Menschheit über den Weg der geschändeten Natur kein deutlicheres und besseres Warnsignal gegeben werden. Höher, weiter, schneller und immer mehr, so leben wir, so benehmen wir uns und geben dieses Verhalten an unsere Kinder und damit Kindeskinder weiter. Sie werden aus den Lehren unsererseits Schlüsse ziehen und Worte wie Demut, Bescheidenheit und Nächstenliebe werden womöglich aus unserem Vokabular für immer verschwinden. Wird es dann eine Welt sein, in der wir unsere Nachkommen aufwachsen und leben sehen wollen?

Ja, die Zeiten werden wieder besser werden, wir auch?

Ungern bin ich ein winziges Teilchen der sozialen Netzwerke geworden. Drei Mal habe ich Facebook verlassen, es vor einigen Monaten doch wieder gewagt einzutreten und im Gegensatz zu einst, habe ich sehr nette Leute getroffen und liebe Freunde gewonnen. Das freut mich sehr, ich bin dankbar dafür und doch sehe ich vieles mit gemischten Gefühlen. Natürlich soll jeder agieren, wie er möchte und ich will niemandem etwas vorschreiben oder belehrend wirken, aber: Gerade bei FB gibt es unzählige Beispiele, wie die Menschen miteinander umgehen, wie wichtig die Eigendarstellung für manche ist und wo es an Anstand mangelt. Das ist nicht besorgniserregend, denn es geht seit Jahren so, vielmehr ist es erschreckend, dass es immer schlimmer wird. Hinzu kommt, dass einige Personen eine äußerst dicke oder dünne Haut an den Tag legen und manchmal jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Wir sind alle nur Menschen und jedem von uns kann ein Fehler passieren oder eine Äußerung entgleiten, die dem Kontakt, hinter der ein menschliches Wesen steht, oder dem Thema nicht gerecht wird. Auch mir ist das passiert und dann gibt es nur eine Möglichkeit: Sich zu entschuldigen, den begangenen Fehler einzusehen und ihn in Zukunft zu vermeiden versuchen. Ändert nichts daran, dass es anderswo ähnlich passieren könnte, da wir zu siebzig Prozent aus Wasser bestehen. Wir sind keine Maschinen, sondern emotionale Wesen, die hin und wieder Überreagieren, missverstehen oder einfach mal einen schlechten Tag haben. Alles ist okay und wird wieder gut, wenn dahinter ein Menschenkind mit Einsicht steht.

Ich habe das Glück, bei FB von einigen außergewöhnlichen Menschen umgeben zu sein. Dieses Glück wird jeden Tag größer, da ich durch diese Leute dazulerne, gewisse Vorgehensweisen erkunden darf und zudem erfahre, wie wichtig ihnen andere Menschen sind. Da lese ich keine Phrasen, sehe ich keine Aktionen, die der Pflichterfüllung dienen, sondern Herzchen, Umarmungen und Likes, die vom Herzen kommen. Auch euch allen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und erlaubt es mir zu erwähnen: Ich bin stolz darauf und mir wird eine große Ehre zuteil, eurem Freundeskreis angehören zu dürfen.

Diese Freunde erleichtern meiner Person vieles in den sozialen Netzwerken und ihre Bekanntschaft sorgt zudem dafür, dass ich völlig untypisch öfter meinen Mund halte und mir zwei Mal überlege, ob und wie ich auf diverse Beiträge oder Kommentare antworte. Das ist für ein loses, gradliniges bayerisches Mundwerk nicht immer einfach zu bewerkstelligen. Natürlich bin ich bestimmt auch schon jemandem auf die Füße gestiegen, bei dem ich mich nicht entschuldigt habe. Allerdings habe ich in solchen Fällen keine Veranlassung für ein Sorry gesehen und meine Sichtweise auf diesen oder jenen Punkt nicht fallen gelassen. Meine Meinungen werde ich nicht aus Höflichkeit ändern, sondern ausschließlich aus Überzeugung. 

Mich ärgert auch Einiges, doch meistens sowie inzwischen habe ich bei diversen Dingen und Aussagen eine erstaunliche Gelassenheit gewonnen. Ich habe es mir angeeignet meine Freundesliste zu verkleinern, wenn es in meinen Augen angebracht war und leider kommt das häufiger vor, als ich es wollte. Es zeigt sich immer wieder, besonders bei FB, du brauchst nicht viele Freunde, sondern die lieben, ehrlichen und offenen Menschen, die sich, dich und das Leben als wertvoll ansehen. Auf diese Weise kommt eine Kommunikation zustande, die einem zeigt, wie schön die Welt und das Dasein sein könnte. Es erfüllt mich mit einer unsagbaren Freude und einem nicht beschreibbarem Glücks- und Freiheitsgefühl, dass ich solche Menschen kennenlernen durfte und sie zu meinen Freunden zählen darf.

Ich weiß, dass ich in manchen Punkten ziemlich stur bin, dazu gehört auch die Werbung für eigene Bücher. Sie ist wichtig, sie muss gemacht werden, denn sonst geht man vollends in der Masse unter. All das und noch mehr verstehe und akzeptiere ich. Trotzdem, ich selbst habe als Autor auf jede Werbung ab Mitte Dezember verzichtet, meine Entscheidung, die auch von gemachten Erfahrungen geleitet wurde. Aber: Bei aller Freude über das erste eigene Buch oder über eine weitere Neuveröffentlichung, ich bleibe dabei, dass zumindest vom 24.-26. Dezember sowie an allen Feiertagen auf jede Art von Werbung verzichtet werden sollte. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Schritt niemandem zum Nachteil gereicht. Ich möchte mich deswegen bei allen Autoren und Autorinnen sowie FB-Freunden bedanken, die diesem Aufruf während der Feiertage gefolgt sind. Ebenso ein Dankeschön für die großartigen Beiträge und Glückwünsche in der Story.

Nun, ich glaube es ist alles gesagt, was es von meiner Seite zu sagen gab ...

Keineswegs möchte ich alles schlecht reden, aber der Grat, über den wir gehen, ist ziemlich schmal. Wenn es die Zeit erlaubt, sollten wir alle genau darüber nachdenken. Selten zuvor hatten wir so viel Zeit, wie in diesen Tagen übrig, uns, und unsere Werte, und damit die Zukunft unserer Kinder zu hinterfragen. Ich wünsche Ihnen, allen meinen FB-Freunden, Gruppen sowie allen Lesern und Menschen ein gesundes, unbeschwertes, harmonisches und friedliches 2021!

Ihr und euer John Phillip Starck


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