John Phillip Starck

Science-Fiction-Autor Gelsenkirchen

Tagebuch - John Phillip Starck

5. Kalenderwoche

Die fünfte Kalenderwoche war eine, in der ich mich leider bestätigt sah. Gefühlt ganz Deutschland ist am Schreiben und rund 95% der Autoren und Autorinnen begeben sich mit einer vollkommen falschen Erwartung in das Abenteuer eines Selfpublishers. Die Technik hat es möglich gemacht, dass inzwischen jeder (auch ich) jeden Blödsinn von sich geben darf und es möglich ist, die eigenen Memoiren lesen zu dürfen. Wen interessiert das schwere Leben eines Normalbürgers? Wenn du nicht Bohlen oder Klum(p) heißt, niemanden! Die Eitelkeit muss aber in einem greifbaren Buch verfasst sein, obwohl es im Regal zu einem Staubfänger werden wird. Selbst die Nachkommen werden trotz anderen Freiheitsbeschränkungen keine Muße finden, in den Gezeiten der Vorfahren stöbern zu wollen. Nicht wegen einem radikalem Desinteresse, sondern wegen dem unentwegtem Fortschritt den wir betreiben und natürlich aus der von uns hinterlassenen Liegenschaft. Unsere Kinder und Kindeskinder werden keine Zeit zum Lesen haben, denn wir hinterlassen ihnen eine Welt, in der es tagtäglich um das Überleben gehen wird. Das ist ein Thema, dass ich hier zunächst ausblende. Ich glaube, in den verbleibenden Kalenderwochen des Jahres 2021 werde ich oft genug darauf zu sprechen kommen müssen. Zurück zum Thema, dem der ernüchterten Selfpublisher-Bestseller-Autoren:

Vorweg ein Wort zu mir: Ich habe die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen und bin alles andere als perfekt. Wenn, dann gehöre ich der Sorte von Menschen an, die perfekt unperfekt sind. Meine Bücher waren und sind der Beweis. Ich habe Erfahrungen gemacht und Lehren ziehen müssen, die ich einerseits für wichtig halte, andererseits niemandem wünsche. Dieser Aspekt war mit ein Grund, die Autorenecke.com aufzubauen. Meine Hilfsbereitschaft hält sich inzwischen in dieser Hinsicht in Grenzen. Offenbar sind Tipps für eine Buchveröffentlichung, zu einem Cover und der Formatierung eines E-Books nicht willkommen oder sie werden nicht benötigt. Immer wieder treffe ich in den sozialen Medien auf Menschen, die dazu beitragen, dass mein Haar nicht mehr grauer werden kann. Es sind Leute, die ein kleines Vermögen für die Veröffentlichung ihres Buches ausgeben. Ein korrektes Buch dem Leser präsentieren zu wollen, ist aller Ehren wert, aber dieser Schritt wird in der Regel nur dann getätigt, wenn die eigene Erwartungshaltung mit der Realität nichts mehr zu tun hat. Worüber ich mich dann richtig ärgern kann, ist der Preis, der Umfang und das Cover des Buches. Die Dienstleistungen der Coverdesigner, Korrektoren und Lektoren zu dem Werk haben den Autor/in einige tausend Euro gekostet und dann verkauft der Verfasser sein Werk, somit sein geistiges Eigentum, für lächerliche 0,99 Euro. Solche Aktionen machen mich sprachlos. Was soll das bringen? Eine bessere Sichtbarkeit, mehr Leser und Verkäufe? Mag sein, dass es für den Moment der Fall sein wird, aber es ist bestimmt nicht von langer Dauer. Spätestens zwei Tage nach der Preisaktion verschwindet das Buch in der Masse. Wusstet Ihr das täglich rund 100 Bücher neu veröffentlicht werden?

Unter diesen einhundert Neuveröffentlichungen befinden sich im Durchschnitt alle drei Monate 1-3 renommierte Autoren/innen. Grob gerechnet erscheinen also zehntausend Bücher innerhalb von zwölf Wochen.

Die Zahlen sehen grob Quartalsmäßig so aus:

Veröffentlichungen eines Bestsellerautors/in: 1-3

Veröffentlichungen eines erfolgreichen Autors/in: 10-15

Veröffentlichungen von Personen von öffentlichem Interesse: 10 - 20

Veröffentlichungen von Verlags- und Hybridautoren: 500 - 1000

Veröffentlichungen von Selfpublishern mit bereits mindestens einem veröffentlichten Buch: 2000 - 3000

Veröffentlichungen von Neuautoren im Selfpublisher-Bereich: 7000 - 9000

Zu den Neuautoren im Selfpublisher-Bereich gibt es folgende Analysen:

Mehr als 90% der Neuautoren im Selfpublisher-Bereich begeben sich mit einer falschen Erwartung in das Abenteuer der Belletristik. Sie sind mangels Wissen und Erfahrung von einem Bestseller überzeugt.

Über 50% der Neuautoren geben für die Veröffentlichung ihres Buches mehr als 2000,- Euro aus.

Rund 25% der Neuautoren landen immer noch bei einem der Verlage, die auf der schwarzen Liste stehen. Der finanzielle Verlust übersteigt in diesen Fällen bei 5%  der Betroffenen den Betrag von 5000 Euro.

Unter den Neuautoren befindet sich in einem Quartal kein Einziger, der eine Verkaufszahl von 10.000 Büchern oder mehr vorweisen kann.

Unter den Neuautoren haben es 65% nicht geschafft, mehr als 100 Exemplare ihres Buches zu verkaufen.

Unter den Neuautoren haben es 85% nicht geschafft, mehr als 1000 Exemplare ihres Buches zu verkaufen.

Diese Zahlen sind ernüchternd, vor allem wenn in Betracht gezogen wird, dass es sich um die Werte des letzten Quartals im Jahr 2020 handelt. Sie werden jedoch nichts an der gegenwärtigen Vorgehensweise, dem Ablauf und der Erwartungshaltung ändern. Die Zahlen wurden von der Autorenecke.com ermittelt und auch wenn sie nicht auf das Komma genau sind, die Auswertungen zeigen eine klare Tendenz. Bedauerlicherweise ist dabei eines ins Auge gestochen: Die Dienstleister in der Branche drängen Neuautoren förmlich zum Schreiben und sind letztlich die einzigen Gewinner. Dabei machen sie auch vor Leuten nicht halt, die lieber nicht schreiben sollten. Damit will ich niemandem auf die Füße treten, doch es hat sich bestätigt: Leidenschaft und Hingabe reichen am Ende nicht aus, um einen Bestseller landen zu können. Kaum ein neuer Autor ist sich dieser Tatsache bewusst. Während der Selfpublisher zusehen muss, ob, wo und wie er sein Werk verkaufen kann, hat der Dienstleister sein Honorar in der Tasche. Eines kommt erschwerend hinzu: Der übersättigte Büchermarkt wird durch die Corona-Krise auch noch in ein Loch fallen. Der Erwerb eines Buches wird für die Leser durch die Folgen der Pandemie finanziell schwieriger werden. Wird es dann nur noch E-Books für 0,99 Cent geben?

Also, ich machen diesen Mist nicht mit. Einen Versuch habe ich in diesem Preisgefüge einst gewagt und ihn bereut. Seitdem bin ich nicht bereit, meine Geschichten unter dem Preis zu verkaufen. Lieber gar nicht. Zugegeben, meine Bücher sind nicht perfekt. Ein Korrektorat und Lektorat kann ich mir nicht leisten und ab irgendeinem Zeitpunkt sehe ich meine Fehler nicht mehr, egal, wie oft ich das Manuskript durchgelesen habe. Es kommt zu einem nicht zu vermeidendem Automatismus, der mich blind für meine Fehler macht. Hindert mich nicht daran, an mich und meine Geschichten weiterhin zu glauben. Hinzu kommt das unwiderrufliche Bestreben, ständig besser werden zu wollen. Das ich den Lesern nicht alles zumuten kann und will, habe ich durch den Rückzug meiner Bücher im Genre Thriller/Krimi bestätigt. Derzeit überarbeite ich meinen Thriller "Blutgruppe 30", den ich danach in neuem Gewand und mit neuem Titel sowie unter einem anderen Pseudonym erneut veröffentlichen werde. Von John Phillip Starck gibt es in Zukunft nur noch Geschichten aus dem Science-Fiction Genre, die sich überwiegend aus Trilogien unter dem Haupttitel "Die Zwölf Apostel" drehen werden.

Ansonsten war diese Woche aufregend ruhig. Ich durfte neue Autoren/innen in der Autorenecke.com begrüßen und musste mein Schalke 04 nach einem endlich guten Spiel verlieren sehen. Mal sehen, ob die Jungs die Qualität des Spiel auch gegen ihren nächsten Gegner abrufen können. Unabhängig vom Spielausgang, wäre das ein Weg zu der unbedingt erforderlichen Konstanz im Abstiegskampf. Am Ende dieser Kalenderwoche bleibt noch eines zu sagen: Seid wachsam und passt auf euch auf! SARS-COV ist längst nicht besiegt! Lasst euch nicht in falsche Sicherheit wiegen und haltet Abstand, so schmerzlich es auch ist. Es gibt viel schlimmeres, zum Beispiel den Verlust eines Familienangehörigen oder eines Freundes.


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