John Phillip Starck

Science-Fiction-Autor Gelsenkirchen

Tagebuch - John Phillip Starck

8. Kalenderwoche

 

Montag, 22. Februar 2021: Okay, ich muss gestehen, dass ein Tagebuch anders geführt wird. Einige Zuschriften haben mich daran erinnert, aber das ändert nichts an Tatsachen: ich würde gerne, nur leider kann ich nicht zaubern. Das wiederum ist gut so, denn ansonsten würde ich mit dem Zauberstab einigen Leuten den Mund an einen Ort platzieren, an dem sie ihn zumindest verbal nicht mehr aufmachen könnten. In Bezug auf die Freizeitbeschäftigung mit dem Tagebuch ist es so, dass mir teilweise die Zeit fehlt oder ich am Wochenbeginn bereits vergessen habe, was mich am Wochenanfang beschäftigt hat. Ja, es sind turbulente Zeiten. Die achte Kalenderwoche hat für mich am Freitag begonnen, da war die Welt noch einigermaßen in Ordnung. Natürlich geht mir das Weltgeschehen nicht am Allerwertesten vorbei und klar berühren mich so manche Einzelschicksale, aber das ist ein anderes Thema, mit dem ich und sonst niemand kompatibel sein muss. Im Gegensatz zu meinem sozialen Umfeld komme ich mit der Pandemie gut klar, da ich über eine Gabe verfüge, die nicht jedem gegeben ist. Ich kann mich mit mir beschäftigen, aber dazu komme ich nicht. Sogar dazu ist der Tag zu kurz, obwohl ich bis zu achtzehn Stunden am PC sitze. Klingt unglaublich, ist aber so. Fatalerweise komme ich nicht zum Schreiben und habe immer noch kein weiteres Wort in meine geplanten Bücher getippt. Tja, dann ging es los, dann kam der Derby-Tag und nach dem Spiel hatte ich eine Laune, mit der ich Semmelbrösel hätte feilen können.

Gehen wir zwei Tage zurück: Samstag, 20. Februar, 20.20 Uhr. Mein Herzensverein, der FC Schalke 04 verliert mit 0:4 gegen die Gelben. Hier in Gelsenkirchen werden die Dortmunder Fans Zecken genannt, aber es sind Fans ihres Vereins und deswegen möchte ich diesen Ausdruck nicht verwenden. Jedem das seine, auch wenn sich über Geschmack streiten lässt. Ich finde die Rivalität bis zu einem gewissen Grad in Ordnung. Es darf und sollte allerdings nicht unter die Gürtellinie gehen oder in Gewalt enden. Das hat mit Sport nichts zu tun. Zurück zum Spiel: Saß ich erstarrt und versteinert vor dem Bildschirm? Nein! War ich geschockt? Nein! Enttäuscht? Nein! Frustriert, den Tränen nahe, wütend oder sprachlos, gedemütigt oder fassungslos? Nein! Ich war erschüttert, ernüchtert, erniedrigt und entsetzt! Nicht wegen der Niederlage, allein wegen der Art, wie sie zustande kam. Ich glaube, dass ich inzwischen zu den Letzten gehöre, die noch an den Klassenerhalt glauben. Zugegeben, es wäre ein sportliches Wunder, aber für die Region, die Fans und wegen der Gegenwart ein wunderschönes. Gelsenkirchen ist nicht Leipzig oder München und hier hängen unglaublich viele Arbeitsplätze davon ab. Woanders auch, logisch, doch hier ist es ein Stück anders. Vielleicht wäre ein Abstieg gut für einen Neuaufbau, aber so lange die Würste etwas zu sagen haben, wird sich nichts ändern, also dann kann man auch in der ersten Liga weiter hampeln und sich Woche um Woche blamieren. Nun, immerhin, es wird alles gegeben und an fast unmögliches geglaubt. Zumindest den Aussagen nach.

Ich kann diese Sprüche und die daraus entstehenden Taten nicht mehr hören und sehen. Schalke kommt mir vor, wie die Pandemie oder, wie die nach wie vor vorhandenen Klugscheißer und Leugner. Ich werde  diese Menschen nie verstehen, egal ob und welche Verantwortung sie tragen. Offenbar weigert sich die Mehrheit eines zu sehen: Lockerungen würden eine Gefahr bergen, die dann nicht mehr zu kontrollieren wäre. Ohne Verbraucher wird es eine Wirtschaft nicht mehr geben und nicht das Jetzt sollte unbedingt zählen, sondern auch der Morgen. Wir waren es schließlich, die auf nichts verzichten konnten und wollten und nun haben wir den Salat. Die globale Struktur trägt die Schuld an der Pandemie und wir waren es, die diese um jeden Preis haben wollten. Jetzt wird uns die Rechnung präsentiert.

Wirklich rasend machen mich die Leute, die unbedingt Schulen öffnen wollen und es tun und dabei vergessen, welches Risiko dadurch eingegangen wird. Hinterher wird auf dies und das verwiesen, die Schuld von sich geschoben und es werden Sätze formuliert, die in der persönlichen Beweihräucherung enden. Meiner Meinung nach, haben solche Leute in der Politik und auf Führungspositionen nichts verloren. Den Schreihälsen nach Lockerungen sei eines gesagt, auch wenn es auf taube Ohren trifft: Ihr spielt nicht mit eurem Leben, sondern mit dem eurer Familie und den Mitmenschen. Ich kann mich nur wiederholen, vor einem Jahr war es undenkbar einen Impfstoff innerhalb einer so kurzen Zeit entwickeln zu können. Wir haben ihn, da es Wissenschaftler, Mediziner und Virologen gibt, die nicht auf den wirtschaftlichen Aspekt sehen, sondern die das Leben eines Menschen über alles andere stellen. So etwas ist mit Geld nicht zu bezahlen! Schön, dass es solche Leute gibt, obwohl das Leben, wie wir es führen, sie längst vom Glauben hätte abfallen lassen müssen. 

Auf jeden Fall war der Sonntag, mein selbst erklärter Tag des Herrn im Eimer. Niederlage, ein Bier oder mehr zu viel und dazu die Ansicht der Tabelle. Also habe ich mich an die Arbeit geworfen und weiter an der neuen Homepage der Autorenecke gearbeitet. Hier die ersten Ergebnisse. www.autoreneckegelsenkirchen.de  
Es würde mich freuen, wenn ich dazu ein paar Ansagen bekommen würde. Nun, ich melde mich diese Woche bestimmt noch einmal, auch wenn es keinen interessiert. Überraschenderweise habe ich inzwischen einige Fans hier gewonnen und gerne würde ich eine eurer Meinungen mit in diese Beiträge integrieren.

 

Zurück Tagebuch 2021


Zurück Februar 2021


Zurück 7. Kalenderwoche


Weiter 9. Kalenderwoche



John Phillip Starck


News von John


Biografie


Tagebuch 2021


Science-Fiction


Short-Storys zum 1. Akt